piccolo-verlag

Emscherschlösser

Inhalt des Buches

Burgen,Schlösser und Adelssitze im Emscher Landschaftspark

westliche Schlösser-Route

Burg Vondern

Schloss Oberhausen

mittlere Schlösser-Route

Schloss Herten

östliche Schlösser-Route

Schloss Schwansbell

südliche Schlösser-Route

Schloss Dellwig

Von der Fliehburg zum Wasserschloss (PDF)

 

Schloss Herten

Die erste Erwähnung eines Rittersitzes in der Niederung am Fuße des Paschenberges stammt aus dem Jahr 1286. Über den Besitzer und seine Burg liegen jedoch keine näheren Informationen vor. Als 1529 Bertram von Nesselrode durch Einheirat in den Besitz einer bereits 1376 erwähnten Burg gelangte, ließ er diese zu einer Festung mit starken Eckbastionen, die heute noch erhalten sind, durch den Coesfelder Baumeister Hendrik de Suer ausbauen. An den Nordflügel, in dem heute das Restaurant untergebracht ist, wurden zwei ungleich lange zweigeschossige Seitenflügel mit Satteldach und Staffelgiebeln angefügt. Diese sind durch einen eingeschossigen Zwischenbau mit Galerie verbunden, so dass die vier Gebäudetrakte einen trapezförmigen Innenhof umschließen. Drei runde Ecktürme mit Kegelhaube machten die Anlage zu einer wehrhaften Feste. Nach einem Großbrand im Jahre 1687 erfolgte innerhalb von fünf Jahren der Wiederaufbau, wobei barocke Stilelemente wie etwa das prächtige Eingangsportal und Teile der Innenausstattung eingebracht wurden. Von der Vorburg blieb lediglich ein langgestrecktes Wirtschaftsgebäude aus dem 16. Jahrhundert erhalten. An der Nordseite der Vorburg befindet sich die spätgotische Schlosskapelle, die erst 1908 von ihrem ehemaligen Standort Schloss Grimberg in Gelsenkirchen nach Herten umgesetzt wurde. Der Portalvorbau an der Giebelfront aus dem Jahre 1747, wie auch das freistehende Torfragment vor der Kapelle wurden nach Plänen von Johann Carl Schlaun angefügt. Die Kapelle dient heute der griechisch-orthodoxen Gemeinde für Gottesdienste. Eine Besichtigung nach den Gottesdiensten ist möglich und empfehlenswert.

Bevor 1960 der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das Haus übernommen hatte, befand es sich in einem beklagenswerten Zustand. Dazu heißt es in einem Buch*:
"12. Juni 1957: Der Eindruck dieser seit Auszug der Gräfin Brühl-Pörten ganz verlassenen Prachtanlage, die durch Grubensenkungen schief absackte, wirkte ebenso phantastisch wie bedrückend. Aus den Zimmern, in denen noch im November 1956 ein großer Hochzeitsempfang stattfand, waren nun Boiserien, Kamine, Parketts herausgerissen, Gewölbe eingestürzt, Dielen eingebrochen. Einbrecher hatten mit Pistolen Fensterscheiben durchschossen. Die noch teilweise möblierten Räume boten den Anblick der Verwüstung.... . Wir waren die letzten Besucher, denn in diesen Tagen wird der im Äußeren noch intakte Bau mit Selbstschüssen verbarrikadiert und dem Verfall preisgegeben. Dabei handelt es sich um eines der wertvollsten Baudenkmäler Westfalens." (*Mauern im Strom der Zeit, Udo von Alvensleben, 1965 Ullstein, Frankfurt, Berlin, Wien)

Zwischen 1974 und 1981 erfolgten jedoch umfangreiche Restaurierungsarbeiten. Seitdem ist Schloss Herten für die Öffentlichkeit zugänglich und präsentiert sich wieder als ein herausragender spätgotischer Schlossbau, von Gräften umflossen, der für kulturelle Veranstaltungen, z.B. für das Klavierfestival Ruhr und Kammerkonzerte genutzt wird.

Beachtenswert ist der Schlosspark mit einem alten und dendrologisch interessanten Baumbestand, der sich nach Süden, zum Emscherbruch bis zum Ewaldsee jenseits der Autobahn hin zu einem Landschaftspark öffnet und Möglichkeiten zu ausgedehnten Spaziergängen und Radtouren bietet. Es ist ein Park für alle Jahreszeiten: Im Frühling die herrliche Blütenpracht der Narzissen und Rhododendren, im Sommer das saftige Grün der weitläufigen Rasenflächen, im Herbst die bunten Kastanienalleen und im Winter die stillen, Schilf gesäumten Teiche mit den verlassenen Bänken.
Der Park weist etwa 200 verschiedene Baum- und Straucharten auf. Viele der exotischen Bäume haben ein Alter zwischen 90 und 190 Jahren, darunter eine Hickorynuss (90), ein Judasbaum (170), ein Ginkgobaum (130) und ein Tulpenbaum (190). Darüber hinausgehende Informationen liegen im Tabakhaus (erbaut 1795), das am nordöstlichen Parkrand, am Ende der Platanenallee liegt, aus.
Gegenüber vom Parkplatz befindet sich an der gepflasterten Straße eine Tafel, die einen guten Überblick über die örtlichen Gegebenheiten vermittelt.