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Villa Hügel in Essen

Grugapark in Essen

Kurpark in Hamm

Haus Oefte

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Schlösser und Parks des Ruhrgebiets

"Schlösser und Parks des Ruhrgebiets" von Klaus GorznyVorwort

Das Ruhrgebiet steht seit fast zwei hundert Jahren als Synonym für Industrie und Technik. Hinzugetreten sind im Laufe des 20. Jahrhunderts die Bereiche Forschung und Wissenschaft, zahlreiche Forschungsinstitute, u.a. das bekannte Max Planck-Institut für Kohleforschung in Mülheim und die zahlreichen Neugründungen von Universitäten und Fachhochschulen aller Art. Mit dem weit gefächerten Kultur- und Freizeitangebot ist natürlich auch der Wohnwert des Ruhrgebietes gestiegen. Und so ist die Wahl von Essen zur Kulturhaupt 2010 als „pars pro toto" für das Ruhrgebiet ein weiterer Schritt auf dem Weg seiner Entwicklungsgeschichte.

Das vorliegende Buch „Schlösser und Parks" versteht sich als Beitrag zur Gestaltung von „Essen 2010", indem es diesen lange Zeit vernachlässigten Aspekt des Ruhrgebiets thematisiert. Die erstaunliche Dichte von Burgen und vorwiegend Wasserschlössern wurde bereits in drei Bildbänden aufgezeigt. Von Parks war bisher wenig zu hören.

Bei einer Zuwendung zu diesem Thema stellte sich heraus, dass die Dichte von Parks im Ruhrgebiet wesentlich größer ist als die von Schlössern. Es hat nicht nur jede Stadt ihren Volkspark bzw. Stadtgarten, sondern mehrere weitere Grünflächen. So gibt es in Dortmund 400 Grünflächen, darunter ein halbes Dutzend namhafter Parks. Auch Duisburg, Bochum und Essen können mit mehreren beachtlichen Parkanlagen aufwarten. Viele der Stadtparks wurden um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, bzw. zu Beginn des 20, Jahrhunderts ins Leben gerufen. Es war die Zeit, als man für die schwer arbeitende Bevölkerung Naherholungsgebiete und Freizeitvergnügen schaffen wollte. Das gleiche Anliegen stand auch hinter der Gründung der fünf Revierparks in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. So mancher Park ist auch im Zuge einer Landes- oder Bundesgartenschau entstanden.

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Villa Hügel in Essen

Villa Hügel in EssenWenngleich Villa Hügel sich nicht als Schloss bezeichnen kann und sich auch nicht auf eine alte Burganlage als Vorgängerbau zurückführen lässt, so soll dieses herrschaftliche Bauwerk dennoch als Schloss im Ruhrgebiet aufgeführt werden. Denn ein fürstliches Haus ist die „Villa" allemal. Und hätte Alfred Krupp den ihm von Kaiser Wilhelm angebotenen Adelstitel nicht abgelehnt, wäre hier ein Adelssitz entstanden, allerdings eines „sehr" jungen „Adelsgeschlechtes" und an einem Ort ohne Tradition. In anderen Ländern, wie etwa England, wäre dieser Vorgang nichts besonderes, wenn man an die noch heute übliche Verleihung des Adelstitels an verdienstvolle Personen denkt. Villa Hügel wurde nach Entwürfen von Alfred Krupp (1812-1887) zur würdigen Unterbringung seiner Gäste, unter denen sich Kaiser, Könige und „Industriebarone" befanden, erbaut. Denn das 1811 von Friedrich Krupp (1787-1826) gegründete Unternehmen war inzwischen zur größten Gussstahlfabrik der Welt aufgestiegen, und die Stadt Essen hatte zu jener Zeit noch keine angemessenen Unterbringungsmöglichkeiten für die honorigen Gäste zu bieten. So beauftragte er seinen Baumeister Schwarz, der sich zunächst Anregungen für das Vorhaben aus Italien holen sollte, mit der Durchführung des Baus. Nach dessen vorzeitigem Tod übernahm der Bauinspektor Julius Rasch aus Kassel den Auftrag. Erst nach mehrjähriger Bauzeit und Überwindung großer Schwierigkeiten - es mussten Marmorblöcke von bis zu 20 t aus Frankreich heran geschafft werden - konnte das Haus 1873 bezogen werden. Zugleich wurde ein riesiger Park an dem Hang rund um das Haus angelegt.
 

Der Park von Villa Hügel

Bei der Planung von Villa Hügel hat die Planung des Parks einen großen Raum eingenommen. Ursprünglich war der bekannte Düsseldorfer Gartenarchitekt Joseph Clemens Weyhe für die Konzeption und Ausführung der Parkanlagen im Gespräch. Schließlich wurde die Gestaltung des Parks jedoch weitgehend nach den persönlichen Vorstellungen von Alfred Krupp durch seinen Obergärtner Friedrich Bete umgesetzt. Bei der Parkgestaltung sollte das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden werden.

Über den nördlichen Parkausgang gelangt man in das Waldgebiet des Ardeygebirges, das hier steil zur Ruhraue abfällt. Auf seinem Höhenweg kann man einen ausgiebigen Spaziergang durch alten Buchenwald unternehmen, der in nicht allzu großen Abständen zu attraktiven Restaurants mit eigenwilligen Namen, wie „Schwarze Hellene", oder „Zornige Ameise" führt. Lichtungen und Terrassen gewähren an vielen Stellen schöne Ausblicke auf den Baldeneysee, auf dem an Sommertagen zahlreiche Segelboote kreuzen.

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Grugapark in Essen

der GrugaparkDer Grugapark ist mit 70 Hektar eine der größten Parkanlagen Deutschlands. Südlich der Innenstadt zwischen den Stadtteilen Rüttenscheid, Holsterhausen und Margarethenhöhe gelegen, stellt die Gruga den Übergang zu den noblen südlichen Stadtteilen Essens dar, die sich bis an die Ruhr und den Baldeneysee erstrecken. Seine Entstehungsgeschichte weicht von der anderer Parkanlagen ab. Denn auf dem Stenshofgelände mit dem Stenshofturm, der noch an das traditionsreiche Rüttenscheider Bauertum erinnert, wurde von den nahezu bankrotten Messebetreibern der 1920er Jahre das umliegende Brachland gekauft, auf dem sie zur Erhöhung der Attraktivität ihrer Messe einen Park anlegen wollten.

der GrugaparkZur gleichen Zeit hatte die Stadt Essen in unmittelbarer Nachbarschaft einen botanischen Garten angelegt, der 1927 eröffnet worden war. Darüber hinaus gab es Pläne, hier eine große Gartenschau abzuhalten. Um diese zu verwirklichen, wurde das Brachland zwischen Rüttenscheid und Hols-terhausen aufgekauft und das Gelände innerhalb von nur zwei jähren, zwischen 1927 und 1929 in einen Park umgewandelt, auf dem am 29. Juni des gleichen Jahres die Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung (Gruga) eröffnet werden konnte. Der Erfolg war enorm. In nur dreieinhalb Monaten besuchten etwa 2 Millionen Menschen die bis dahin nicht gekannte aufwändige Gartenarchitektur der Parkanlage. Es war die erste Gartenausstellung Deutschlands. 1930 wurde der Park mit dem botanischen Garten vereinigt und in einen Volkspark umgewandelt. Nach erheblichen Kriegsschäden wurde 1951/52 der Park wieder hergerichtet, so dass im Oktober 1952 die 2. Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung eröffnet werden konnte. Ab 1962 erfolgten tiefgehende Umgestaltungsmaßnahmen der Parkanlagen. Zugleich wurden Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten geschaffen. Wichtigste Maßnahmen waren die Neuanlage des Margarethensees, nach Margarethe Krupp benannt, und der Musikpavillon für 1.200 Gäste.

Tulpenpracht im GrugaparkHeute ist der Park mit allen nur erdenklichen Attraktionen ausgestattet. In einer Auflistung sind über vierzig Positionen enthalten, u. a. Tropenhäuser,, Volieren, Alpinum mit Wasserwand, Orangerie, verschiedene Gartentypen, Spielplätze und Sportanlagen. Um einen Überblick zu erhalten, fährt man am besten mit der Grugabahn, die in weiten Schleifen geruhsam den Fahrgast durch die schönen Parkanlagen geleitet. Bei dieser Fahrt ist für den Fremden das Ronald-McDonald-Haus mit seiner eigenwilligen Ausstattung von Friedensreich Hundertwasser, das plötzlich hinter Bäumen ins Blickfeld gelangt, ein unerwarteter Blickfang. Es wurde am 1. Juli 2005 von der McDonald's Kinderhilfe auf dem Gruga-Gelände in Angrenzung an das Universitätsklinikum Essen unter der Schirmherrschaft von Henry Maske eröffnet und dient den Familien schwer kranker Kinder als gemeinsame Unterkunft. Nach einem ausgiebigen Gruga-Besuch, und den sollte man auf jeden Fall einplanen, erfreuen zwei große Restaurants mit ihrem reichhaltigen Angebot.

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Kurpark in Hamm

Kurhaus HammDer um 1882 entstandene Kurpark mit dem in gleicher Zeit erbautem Kurhaus war eine für diesen Zweck typische Parkanlage mit einem Ansatz zu einem botanischen Garten mit üppig bepflanzten Blumenbeeten sowie einem Arboretum, der über eine beachtliche Anzahl von exotischen Pflanzen verfügte. Noch bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts war der Kurpark Treffpunkt auswärtiger Gäste, die hier an dem Kulturleben Teil hatten und sich zu Konzert- und Theateraufführungen sowie sonstigen Veranstaltungen trafen. Das einstige Kurhaus mit dem denkmalgeschützten Kopfbau aus dem Jahre 1898 sowie der Spiegelsaal wurden in das neue, 2003 eröffnete Kurhaus, integriert. Kernstück ist der Multifunktionssaal, in dem Konzerte und Theaterveranstaltungen, Ausstellungen und festliche Ereignisse wie Bälle und Empfänge sowie Kongresse und Tagungen abgehalten werden. Der Saal bietet 600 Zuschauern Platz und verfügt über eine für verschiedene Zwecke flexible Ausstattung, darunter sogar auch über einen Orchestergraben.

Kurpark HammNach dem zweiten Weltkrieg wurde der Kurpark zu einer innerstädtischen Grünanlage umgenutzt. Die heutige Parkanlage einschließlich der Bebauung und des Sylverbergs umfasst eine Fläche von 34,6 ha. Herrliche Grünflächen mit eingestreuten Blumenrabatten und Gehölzgruppen sowie Solitärgehölzen aus der Anfangszeit des Parks bestimmen das Erscheinungsbild. Blickfang ist natürlich der im prächtigen Blumengewand ins Auge stechende Elefant. Im näheren Umfeld erfreuen noch zwei weitere Elefanten den Besucher. Auf noch zwei weitere Elefanten stößt man im Maximilianpark.
Im Norden schließt der Park an die Uferbereiche von Lippe und den Datteln-Hamm-Kanal an. Hier befinden sich zwei Teiche sowie das im Mai 2009 entstandene Gradierwerk zur Salzgewinnung. Einmal im Jahr findet das Kurparkfest ein etabliertes Volksfest mit Feuerwerk und Vorführungen von Künstlern in verschiedenen Zelten, statt.
Nach Westen hin vereinigt sich der Kurpark mit den Spiel- und Sporteinrichtungen auf dem Gelände des ehemaligen Großen Exerzierplatzes. Mit zusammen 66,3 ha ergibt sich so eine der wichtigen städtischen Grünflächen.

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Haus Oefte

Haus OefteUm 820 taucht ein Hof der Abtei Werden in den Urkunden auf, aus dem sich im 12. Jahrhundert ein Adelssitz entwickelt. Zusammen mit diesem Haupthof werden noch einige Unterhöfe der Abtei Werden einem Dienstmann übertragen, der den Namen von Oefte trägt und Inhaber des Drostenamtes von Werden war. An die romanische Anlage aus der Zeit des 12./13. Jahrhunderts erinnert noch das Kreuzgratgewölbe im Unterbau des rechten Flügels. Wie auch die Herren von Schloss Landsberg und Hugenpoet trieben die Herren von Oefte, obwohl sie der Abtei Essen angehörten, ihr Unwesen als Raubritter. Im 14. Jahrhundert entschlossen sich der Herzog von Berg und die Stadt Köln, ihnen eine Jahresrente auszusetzen, damit der Handelsweg entlang der Ruhr wieder sicher wurde.
1438 kam Haus Oefte an die Familie von Eller, und ein häufiger Besitzerwechsel schließt sich in den folgenden Jahrhunderten an. In der Mitte des 19. Jahrhundert erfolgte ein grundlegender Umbau, wobei die Anlage im neugotischen Stil mit Stufengiebel und Zinnen bekränztem Mittelturm umgestaltet wurde. Das Mauerwerk wurde mit Bruchsteinen verkleidet. Der Hauptturm wie auch die kleineren Türme am Haupthaus und dem Nebengebäude tragen schiefergedeckte Pyramidaldächer. Zugleich wurde der Landschaftspark angelegt, der von zwei Bachläufen begrenzt wird, die sich in einem Teich vereinigen und später zur Ruhr abfließen.

die Golfanlagen um das Haus OefteDie Ruhr fließt in diesem Bereich behäbig an einem Erlenbruch vorbei, durch den man auf einem kurzen Fahrweg das Ufer erreicht. Nicht selten stehen hier Angler mit beachtlichem Fang im Köcher. Auf der gegenüberliegenden Seite verläuft der Leinpfad, der weiter stromaufwärts an dem sog. Kattenturm vorbeiführt. Dieser ist ein Relikt des ehemaligen Rittersitzes Luttelnau, einer Turmhügelburg (Motte), die einst auf einer Ruhrinsel stand. 1260 wurde der Ritter Konrad von Elberfeld mit der Burg Luttelnau vom Erzbischof von Köln belehnt. Nach der Schlacht bei Worringen, 1288, in der der Erzbischof unterlag, musste er die Burg aufgeben. Sie wurde daraufhin, ebenso wie die Isenburg in Essen, von Graf Eberhard II. von der Mark zerstört und nicht mehr aufgebaut. Wanderungen rund um Haus Oefte sind möglich und führen durch Buchenhochwald auf die Anhöhe der Ruhrberge. Haus Oefte wird heute von einem Golfclub genutzt und befindet sich in hervorragendem Zustand.

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