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Ruhrschlösser

Inhalt des Buches  

Die Ruhr - ein Fluß wie jeder andere?  

Das Ruhrtal - eine Kulturreise  

Das obere Ruhrtal

Das mittlere Ruhrtal

Die Ruhr erreicht das Ruhrgebiet

Das romantische Ruhrtal

Rund um den Baldeneysee

Auf den letzten Metern zur Mündung

Redensarten aus der Zeit der Burgen und Schlösser (PDF)

 

Das Ruhrtal von der Mündung bis zur Quelle - eine Kulturreise

"Wer eine herrliche Gegend kennen lernen will", so schreibt J.F.Wilhelmi1828, "findet im Ruhrtal reiche Befriedigung; denn alles, was eine heitere Landschaft zu schmücken vermag, ist hier in einem Bezirk von wenigen Stunden zu Fuß vereint anzutreffen: ein liebliches Tal, von heiteren Bergen bekränzt, Ritterburgen und Ruinen, fruchtbare Fluren und duftende Wiesen und dabei Gewerbfleiß und Handel."

Dem kann man auch heute noch, oder heute wieder voll zustimmen. Das Ruhrtal ist eine beschauliche Landschaft. Es ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges, welches dem Variskischen Faltengebirge zugehört. Der Niveauunterschied zwischen Fluss und Kammlage der Hügelkette beträgt bis zu hundert Meter, wobei an vielen Stellen steile Felswände direkt an der Straße emporstreben, ehe sie in eine sanfte Hügellandschaft übergehen.

Die Reise durch das Ruhrtal, es ist gewissermaßen die Anreise zur Schlössertour, beginnt in Duisburg-Ruhrort, an der Mündung der Ruhr. Sie führt in einer beschaulichen Fahrt, mit dem Fahrrad oder Auto durch Auenlandschaften, Städte und kleine Ortschaften bis hinauf ins Hochsauerland, zur Ruhrquelle. Auf dem 235 km langen Fahrradweg, mit dem Auto sind es ein paar Kilometer mehr, gibt es viel Sehenswertes zu entdecken: alte Stadtkerne mit Fachwerkhäusern, Kirchen und Klöster sowie Museen und Denkmäler und vor allem reizvolle Landschaften, die zu kleinen und größeren Wanderungen einladen. Mit Zeit und Muße kann man für diese Strecke durchaus mehrere Tage einplanen. Restaurants und Hotels/Pensionen finden sich reichlich am Wegesrand. Bei schönem Wetter sind auch Schiffsfahrten auf der Ruhr zwischen Mülheim/Ruhr über Kettwig bis Essen, auf einem größeren Abschnitt um Witten sowie auf dem Baldeneysee, Kemnader See, Harkortsee und Hengsteysee ein besonderes Erlebnis.

Das untere Ruhrtal, ein Naherholungsgebiet für die Großstädter

Die Ruhr mündet bei Duisburg-Ruhrort in den Rhein. Sie windet sich an den Hafenbecken vorbei, ehe sie sang- und klanglos sich mit den Fluten des Rheins vermischt. Diesen Hafen aber gäbe es nicht, wenn im 19. Jahrhundert die Ruhr mit ihrer Kohlefracht nicht gewesen wäre. Ihr ist es zu danken, dass sich aus dem einstigen Kohledepot der weltweit größte Binnenhafen entwickelt hat. Wer zu einer Schlösserfahrt aufbricht, startet nun nicht unbedingt von einem Hafengelände aus. Ist doch die Atmosphäre mit Lärm und geschäftigen Treiben keine Einstimmung auf die "zeitlose" Stille alter Schlossgemäuer. Dennoch sollte man den Besuch des Hafens nicht versäumen, sondern ihn zum Ziel eines eigenen Ausfluges machen, denn er gehört zur Ruhr und ist obendrein interessant.

Im Zusammenhang mit den Normannenüberfällen am Rhein wurde Duisburg erstmals 883/84 urkundlich erwähnt. Bereits im 12. Jahrhundert hatte es sich zu einer bedeutenden Handelsstadt entwickelt und die Stadtrechte erhalten. Als der Rhein im 11. und 12. Jahrhundert nach Hochwasserkatastrophen mehrmals seinen Lauf veränderte und 3 km westlich von der Stadt seinen Lauf nahm, verlor Duisburg wegen der fehlenden Rheinanbindung an Bedeutung. Zu einem enormen Aufschwung kam es mit der Industrialisierung und der Schiffbarmachung der Ruhr im ausgehenden 18. Jahrhundert. Die in Ruhrort an der Ruhrmündung errichteten Kohledepots legten den Grundstein für den späteren Hafen und die Verhüttung von Eisenerzen mit Kohle von der Ruhr zu Eisen und Stahl. Es sind die Namen von Großindustriellen, wie die des gebürtigen Duisburgers Franz Haniel oder Peter Klöckner und August Thyssen, mit denen der Aufstieg von Duisburg zur Industriemetropole verknüpft ist und die den einstigen Duisburger Kohlehafen zum weltweit größten Binnenhafen aufsteigen ließen. Aber auch das Geistesleben hatte schon früh einen festen Platz innerhalb der Stadtmauern von Duisburg. Denn zwischen 1655 und 1818 hatte die Klevische Landesuniversität ihren Sitz in Duisburg. Eine Fortsetzung fand diese Tradition erst wieder durch die Gründung der Gesamthochschule 1972. Zu nennen ist ferner der Kartograph Mercator (1512-94), der mit der Schaffung des ersten Atlas Weltberühmtheit erlangte. Die bildende Kunst erhielt in Duisburg einen großen Namen mit dem in Meiderich als Bergmannssohn geborenen Bildhauer und Maler Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), dessen Werke im Lehmbruckmuseum (1964 eröffnet) neben den Großen seiner Zeit, wie Rodin, Barlach, Kokoschka, den Expressionisten, den Malern des Blauen Reiters und des frühen Konstruktivismus einen würdigen Platz gefunden haben. Unter den vielen weiteren Museen befinden sich das Kultur- und Stadthistorische Museum nahe der restaurierten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert mit einem Bestand von urgeschichtlichen Knochenfunden und eiszeitlichen Tierresten sowie das Wirtschafts- und Industriemuseum der Stadt Duisburg. Bedeutende Sakralbauten sind die spätgotische ev. Salvatorkirche aus dem 14./15 Jahrhundert, in deren südlicher Chorkapelle ein Epitaph des Kosmographen Mercator steht. Erwähnenswert ist ebenfalls die kath. Karmelkirche des Minoritenklosters aus dem Jahre 1325, die jedoch im zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Deren Reste wurden in einen nüchternen Neubau (1959-61) effektvoll einbezogen. Ein kultureller Magnet ist die "Deutsche Oper am Rhein", eine Theaterkooperation zwischen Düsseldorf und Duisburg. Das neoklassizistische Theater aus dem Jahr 1912 wurde nach Kriegszerstörung 1949/50 wieder aufgebaut und ist mit seinen hervorragenden Aufführungen fester Bestandteil der deutschen Opernlandschaft. Der Duisburger Innenhafen erlebt seit einigen Jahren einen faszinierenden Strukturwandel von einem ehemaligen Handelsplatz zu einem modernen Stadtteil, in dem neues Wohnen mit Kultur und Freizeit am Wasser zusammenwachsen.

Ein guter Startpunkt für die Fahrt durch das Ruhrtal ist der Wasserbahnhof von Mülheim/Ruhr. Nachdem man eventuell Schloss Broich, das nur ein paar Gehminuten vom Wasserbahnhof entfernt liegt, sozusagen als Motto der Fahrt schon besucht hat, begibt man sich stromaufwärts auf den Weg ins Ruhrtal.

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