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Chaos - Kosmos - Märchen   Seite 6

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„Wie herrlich weit haben wir es gebracht", lässt Goethe in Faust I den Famulus Wagner sagen. Und wirklich! Welche Entwicklung hat die Menschheit in den letzten paar tausend Jahren der Menschheitsgeschichte genommen. Doch immer wieder stehen wir staunend an der Wiege des Neugeborenen und können das Entstehen des neuen Lebens nicht begreifen. Auch wenn im Frühling nach dem Winter die ersten Knospen aufbrechen und noch in eisiger Kälte ihre Farbenpracht entfalten, geraten wir ins Staunen, das die alten Griechen „Taumazein" nannten und damit die Ehrfurcht vor dem Nichterklärbaren meinten. Heute können wir natürlich vieles erklären. Doch die Frage nach dem Ursprung des Kosmos und letztlich unserer selbst ist völlig offen und wird es für immer bleiben, da wir prinzipiell nicht über unser System, in dem wir leben, hinaus denken können. Ähnlich ergeht es dem Fisch, der alle Meere durchschwommen hat und jedes Riff kennen mag, doch niemals eine Vorstellung vom Urwald oder den Lüften, der Welt der Vögel, gewinnen kann.

Die Frage nach dem Woher hat die Menschheit schon immer beschäftigt, vor allem wegen der unerklärbaren Naturerscheinungen, der funkelnden Sterne, der Sonne und des Mondes, über deren Wesen und Entfernung sich der Urzeitmensch keine Vorstellung machen konnte. Was liegt näher, als für das Unerklärliche eine Deutung zu suchen, eine mythologische Erklärung zu erfinden. Der Mensch trat erst im letzten Zipfel der Erdgeschichte, vor etwa 1,8 Millionen (1800000) Jahren auf. Was mag er in dieser für uns unvorstellbar langen Zeit bis heute erlebt haben? Naturkatastrophen ungeheueren Ausmaßes: Meteoriteneinschläge, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis, Gewitter und Stürme. Für alle diese Naturerscheinungen gab es keine Erklärungen. Es konnte nur eine überirdische Kraft, eine Gottheit, dahinter stecken. Was alles wurde von diesen