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Inhalt des Buches  

westliche Schlösser-Route

mittlere Schlösser-Route

östliche Schlösser-Route

südliche Schlösser-Route

Von der Fliehburg zum Wasserschloss (PDF)

 

Burgen, Schlösser und Adelssitze im Emscher Landschaftspark

Entlang der Emscher, einem kleinen Flachlandfluss, der im Süden von Dortmund entspringt und bei Wesel in den Rhein mündet, standen früher einmal sechzig Herrensitze. Heute sind es im Emscher Landschaftspark immerhin noch etwa dreißig. Dass die Emscherzone, dieses vom Kohlebergbau und der Industrie am meisten in Mitleidenschaft gezogene Gebiet, eine "Schlösserlandschaft" ist, deren "Schlösserdichte" weit größer ist, als man sie aus anderen Regionen von Deutschland und dem europäischen Ausland kennt, wird wohl kaum einer für möglich halten. Denn Schlösser und Industrie - sind das nicht Gegensätze?
Zuerst waren die Schlösser, dann kam die Kohle und später die Industrie: Sie haben sich mit Förderschächten, mit Fabrikhallen und Schloten der Landschaft bemächtigt. Die Städte des heutigen Ruhrgebietes, die um 1800 kaum mehr als 5 000 Einwohner zählten, wuchsen über ihre Stadtgrenzen hinaus. 1852 lebten im Kernbereich des Ruhrgebietes etwa 375 000 Menschen, 1925 waren es bereits fast 3,8 Millionen, heute ist es mehr als 4 Millionen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein haben im Emscherbruch noch Wildpferde gelebt. Es war eine Landschaft, wie wir sie heute gelegentlich im Münsterland antreffen können.
Die Bedeutung der Burgen und Schlösser trat mit zunehmender Industrialisierung in den Hintergrund, ebenso die der Adelshäuser und deren Besitzer. An ihre Stelle traten Industriebarone und Bürgermeister. So kam es, dass manche Burg ins Abseits eines weniger attraktiven Stadtteils rückte oder zwischen den Städten dem stetigen Verfall anheim fiel. Der Gedanke des Denkmalschutzes war bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts weit weniger ausgeprägt als heute. Die alte Bausubstanz wurde häufig als nicht zeitgemäß empfunden und fiel der Abrissbirne zum Opfer.

Inzwischen hat sich das Erscheinungsbild der Emscherzone stark gewandelt. Nach dem Niedergang der Montanindustrie sind große Brachflächen entstanden, die neuen Verwendungszwecken zugeführt oder renaturiert werden. Im Rahmen dieser Bestrebungen ist der Emscher Landschaftspark entstanden (s. S. 9). Auch der Denkmalschutz hat in Stadt und Land einen erhöhten Stellenwert erlangt. Die Kommunen haben ihre Schätze entdeckt. Davon haben insbesondere die Burgen und Schlösser profitiert. Sie sind inzwischen herausgeputzt und, soweit sie in öffentlicher Hand sind, wurden sie, versehen mit Funktionen als Museum, Standesamt oder Kulturstätte, in das moderne Leben integriert. Viele aber liegen noch immer im Abseits. Zwar sind sie dem Ortsansässigen vom Sonntagsspaziergang oder in ihrer Funktion bekannt. Doch ist sich der im Ruhrgebiet Lebende nicht bewusst, in einer alten Kulturlandschaft mit Schlössern zu wohnen.

Der vorliegende Bildband, der sich zugleich auch als Reiseführer versteht, will dazu beitragen, die "Schlösserlandschaft" des Emscherraumes zu erschließen.

Um das Auffinden der einzelnen Burgen und Schlösser, die zu vier Routen zusammengefasst sind, zu erleichtern, sind dem Bildteil Übersichtskarten und Wegbeschreibungen beigefügt. Hierdurch können schwer auffindbare Objekte - und das sind nicht wenige - mühelos erreicht werden. Darüber hinaus ist der vom Kommunalverband Ruhrgebiet herausgegebene, dreiteilige Luftbild-Straßenatlas empfehlenswert.

In jeder Route werden acht bis zehn Adelssitze angesteuert, was dem von fern angereisten Besucher, der sich einen Überblick über die Schlösserlandschaft des Emschergebietes verschaffen will, als Tagestour willkommen ist. Um den alten Bauwerken mit ihren Türmen und Erkern, den steinernen Brücken und prächtigen Portalen, besser gerecht zu werden, sollte man sich jedoch mehr Zeit lassen und auch das gesamte Ambiente auf sich wirken lassen. Denn die einstigen Schlossherren hatten eine besondere Vorliebe für Parkanlagen. Zu fast jedem Schloss gehört ein Landschaftsgarten mit exotischen Baumriesen, hervorgegangen aus Samen, die von Naturforschern aus fernen Ländern mitgebracht worden sind. Wer schaut nicht gerne in die dunklen Wasser der Gräften, in denen Karpfen wie schwere Schatten gleiten, während Nilgänse für den Fotografen posieren und der Reiher auf den ersten Blick wie eine Bronzeskulptur aussieht.

Die Beschreibungen der einzelnen Herrensitze enthalten kurze Informationen zur Baugeschichte und dem Baustil der heute vorhandenen Bauwerke, die meist auf den Grundmauern mehrerer Vorgängerburgen standen. Die meisten von ihnen datieren aus dem Hochmittelalter zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert. Nur in seltenen Fällen stammen die Vorgängerbauten aus früheren Jahrhunderten, wie etwa Schloss Broich, das sich auf eine spätkarolingische Wehranlage aus den Jahren 883-84 zurückführen lässt. Ergänzt wurden die Texte durch Anmerkungen zu den einst ansässigen Adelsgeschlechtern, deren Genealogie jedoch nicht im Detail weiter verfolgt wird.

In eingestreuten Textbeiträgen werden dem Leser Hintergrundinformationen zur Burgenkunde und zur geschichtlichen Entwicklung des Ruhrgebietes, speziell des Emscherraumes, gegeben. Da die Burgenkunde viele Fachausdrücke kennt, die dem Nicht-Eingeweihten unbekannt sind und die durch Begriffe des täglichen Lebens nur unzureichend ersetzt werden können, ist dem Bildteil ein kleines Burgenlexikon hintangestellt.